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Aufbruch in ein neues Leben

Ich heiße Alexander, bin 1987 in München geboren und seit meinem vierten Lebensjahr hier im schwäbischen Bayern zuhause. Wie´s in meinem Dorf, das vielleicht 800 Einwohner hatte, so üblich war, habe ich als Kind die katholische Kirchenlaufbahn bis zur Kommunion mitgemacht. D.h. sonntags, Weihnachten und Ostern in die Messe gehen, Kommunions-Unterricht und so weiter. Das geschah allerdings nur auf Wunsch meiner Eltern, die zwar selbst kaum in der Kirche waren, es aber für förderlich hielten, mich nicht durch ein fernbleiben von der Kirche von der Dorfgemeinschaft zu isolieren. Wir kamen nicht von hier und hatten es allgemein schwer uns zu integrieren. Meinen Eltern vermittelten mir aber auch, dass die katholische Kirche sich in widersprüchliche Aussagen verstricken würde. Als ich durch die Kommunion durch war und meine Geldscheine gezählt hatte, wurde ich nicht mehr in der Kirche gesehen (sehr geistlich hm ;-),) da es mir sowieso zu wider war, einmal in der Woche 1 ½ - 2 Stunden meines Lebens in der Kirche zu verbringen mit aufstehen, knien und wieder hinsetzen, von der langweiligen Predigt ganz zu schweigen. Mein Bild von Gott war ähnlich langweilig und nicht greifbar wie das, was der gute Mann da auf der Kanzel erzählte. Ich dachte Gott würde nichts in meinem Leben verändern, geschweige denn, sich für mein Leben interessieren.

Mein Leben lebte ich ohne Kirche genauso gut oder schlecht wie mit ihr. In der Schule und in der Dorfgemeinschaft, in der ich nie akzeptiert war, so oder so als Underdog unterwegs, änderte sich auch nicht viel.

Es passte auch besser zu mir mich nicht in diese Form zu drücken, da ich nicht viel Wert auf das legte, was meine Mitmenschen so machten.

 

Man kann wohl sagen, dass ich sehr egoistisch veranlagt war oder bin (nicht unbedingt förderlich was die Integration angeht, aber so war´s halt). Vieles lag bei mir im Argen, gerade was Beziehungen zu Menschen anging. Nun, mit 13/14 Jahren fand ich, wie viele andere heute auch, eine gute Möglichkeit, mich vor den Problemen die ich so hatte zu verstecken und zu flüchten. Der Fernseher aber noch vielmehr der Computer machten es mir leicht „mal abzuschalten“ und einfach Spaß zu haben. Nur blöd, dass dieses „mal“ ungefähr alles andere verdrängte, ich mich absolut von meinem sozialen Umfeld abkapselte und ich nur noch für meine Spiele lebte.

 

Ihr seht, Gott oder Glaube waren für mich kein Thema, es war uninteressant und ich hatte ja auch keine Zeit dafür.

 

Als ich in meiner Ausbildung war und im letzten Lehrjahr von Mindelheim nach Memmingen auf die Berufsschule kam, befreundete ich mich nach und nach mit einem, zugegeben in meinen Augen damals seltsamen, Kerl, der an die Schöpfung und nicht an die Evolutionstheorie glaubte, der freiwillig in der Bibel las und für den Gott  und Glaube ein wichtiges Thema war. Schön für ihn, dachte ich. Jeder nach seiner Façon, wie es sich in der modernen westlichen Welt gehört. Bewundernswert war in meinen Augen allerdings, dass er die Zeit die er hatte, effektiv nutzen wollte, ohne sie vor dem Fernseher oder dem PC zu verschwenden.

 

Über diesen Freund lernte ich auch die Gemeinde kennen in die er ging. Anders wie in der katholischen Kirche, die bis dato die einzige Glaubensgemeinschaft war die ich kannte, versuchten die Menschen hier sich nach Gottes Wort zu Richten und verstrickten sich nicht in Widersprüche, was für mich sehr beeindruckend war. Außerdem war es zwischenmenschlich einfach anders. Man musste sich Freundlichkeit nicht erst erarbeiten. Es wurde sich um Einander gekümmert. Man hörte  während des Gottesdienstes viel von der Liebe Gottes. Sie brachte ihn dazu, seinen Sohn am Kreuz für die Sünde zu opfern und danach wieder auferstehen zu lassen umso eine Lösung für unsere Schuld zu schaffen, damit  jeder Mensch das annehmen kann und muss, wenn er mit Gott versöhnt werden und  ein sinnvolle Leben führen möchte. Der Gott der Bibel ist auch ein Gott, der aktiv an unserem Leben beteiligt werden will und es auch verändern kann. Doch das hielt mich zu Beginn nicht davon ab, erst mal nichts an meinem Leben zu ändern oder gar Gott in mein Leben zu lassen.

 

Dann war meine Ausbildung auch schon beendet und ich bekam über meine Eltern einen Job in München. Dort zog ich dann auch hin und das führte dazu, dass dies meine Freundschaft und auch den Kontakt zur Gemeinde recht schnell einschlafen ließ. Ich war dabei, mein eigenes Leben aufzubauen und setzte viel Vertrauen und viel Hoffnung in diese Stelle. Alles sah so aus als würde es funktionieren. Mein Chef lobte mich öfter und war mit meiner Arbeit zufrieden.

 

Ich hatte nie große Pläne und um nicht enttäuscht zu werden setzte ich mir keine. Ein einfaches, unkompliziertes, selbstständiges Leben wäre nicht nur okay sondern war das, was ich wollte. Genau das schien nun in meiner Geburtsstadt möglich.

 

Ob es jetzt am plötzlichen Verlust meiner Fähigkeiten lag, oder mich mein Chef einfach nur über den Tisch gezogen und mich nach Strich und Faden vera... hat will ich jetzt nicht beurteilen, aber ich will es mal so sagen: ohne Vorzeichen  gab es einen Wetterumschwung von eitel Sonnenschein zu einem kräftigen Sturm in meinem Arbeitsverhältnis. Ich konnte nichts mehr richtig machen. Alles was ich erreichen wollte, zerrann mir jetzt zwischen den Fingern. Ich hatte keine großen Pläne und wie es schien konnte ich nicht einmal die erreichen. Ich gab mir die Schuld und hörte viel Musik von den Bösen Onkelz (nichts gegen die Band, aber in meiner Situation damals für mich das Falsche zur falschen Zeit). In einem Lied-Text, den ich nicht mehr ganz zusammen bekomme, singen sie:

 

Songtext: „Was macht es schon wenn du stirbst? Ein paar Tränen deiner weinenden Mutter und du kommst in den Himmel“. Irgendwie so?!?

 

Eine Lüge die ich glauben wollte und geglaubt habe. Den Druck, den ich in meiner Arbeit bekam, das Mobbing von meinem Chef... Ich war gerade 19 geworden und konnte mit dem Frust nicht umgehen. Wenn ich einfach gekündigt hätte, wäre das Problem beseitigt gewesen. Dieses Scheitern wollte ich aber mir und auch meiner Umwelt nicht eingestehen. Selbstmord schien mir ein vertretbares Mittel, um wieder einmal vor meinen Problemen davonzulaufen. Der Song-Text verharmloste schließlich die Folgen und die Verantwortung. Im Himmel, so weiß ich heute, wäre ich nicht gewesen und die Folgen wären wohl größer gewesen als nur“ ein paar Tränen meiner Mutter“.  Mein Blick war einfach verschoben.

 

Oben habe ich geschrieben, dass der Gott der Bibel sich für unser Leben interessiert. Das habe ich in dieser Situation erfahren dürfen.

 

In dieser Zeit  war ich einfach fertig mit der Welt und überlegte mir oft, einfach mit dem Auto gegen einen Baum zu fahren, den Schlussstrich zu ziehen. Irgendwann fand ich mich in meinem Auto, auf einer kleinen Landstraße wieder und fuhr auf einen Baum zu. Meine Gelegenheit abzuschließen.

 

Ob ich betete oder einfach wusste, dass es nicht Gottes Wille sein kann, wenn ich jemand anderen in Gefahr brächte, weiß ich nicht mehr. Vielleicht  machte ich auch eine Art deal. Wenn Gegenverkehr käme, würde ich die ganze Aktion abbrechen. Ihr wisst was passierte, sonst könnte ich das hier nicht schreiben. Am nächsten Tag redete ich mit meinem Chef und wir trennten uns im „Einvernehmen“.

 

Wieder Daheim fiel ich nicht auf die Knie um Gott mein Leben zu geben, sondern ich wollte erst einmal nichts von ihm hören. Mein Freund aus Berufsschulzeiten merkte, dass ich von Gott erst einmal genug hatte, wusste aber nichts von alledem in München. Trotz meiner ständigen Ablehnung mit ihm über seinen Glauben, Gott und mein Leben zu reden (dass ich darauf keinen Bock hatte versteht ihr sicherlich), lud er mich auf ein christliches Camp ein. „Urlaub ist genau das Richtige“... dachte ich und sagte zu. Auf diesem Camp hörte ich einen Vortrag, der die Evolution als Theorie und die Schöpfung als nicht widerlegt darlegte. Er machte das so verständlich und für mich plausibel, dass ich anfing, die Evolution als das zu sehen was sie war – eine Theorie. Das war die Letzte Hürde in meinem Denken und wenig später legte ich diesem Gott, dem scheinbar alles möglich war, mein Leben hin und entschied mich, mein Leben von ihm bestimmen zu lassen.

 

Mt 16, 25: „Denn wer irgend sein Leben erretten will, wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.“

 

Jesus meinte damit, dass jemand seinen Willen an Gott abgeben müsse. Er muss erkannt haben, dass er Fehler gemacht hat und dass Gottes Wille für sein Leben Maßgebend ist, nicht die eigene Vorstellung vom Leben.

 

Heute weiß ich, dass es meine beste Entscheidung war Gott mein Leben zu geben, sprich: dass ich in meinem Leben von diesem Augenblick an das tun wollte und noch heute tun will, was Gott für mein Leben möchte.

 

Und ich weiß auch, dass Gott mich liebt, mir zuhört wenn ich zu ihm bete, mir geben möchte, was gut für mich ist, nur das Beste für mich will und dieses Leben mit ihm nicht Langweilig wird. Ihr kennt bestimmt das Vorurteil: Christen dürfen keinen Spaß mehr haben wenn sie es mit Gott ernst meinen und führen ein langweiliges und tristes Leben. In den gut vier Jahren (Anfang 2007 habe ich mich bekehrt) hat mich Gott vom Gegenteil überzeugt und manchmal würde ich mir ein etwas ruhigeres Leben wünschen, was meistens dann der Fall ist, wenn ich faul werde ;-). Höhen und Tiefen in meiner Beziehung gibt es wie in fast allen Beziehungen, aber im Großen und Ganzen bin ich von Gott und seinen Plänen für mein Leben begeistert und hoffe, das auch in Zukunft zu sein. Zurzeit darf ich in der Memminger Jugend als Teens-Mitarbeiter Jugendliche auf ihrem Weg zu- oder mit Jesus begleiten und sehe hier meinen Platz. Jetzt habe ich eine ganz andere Wertvorstellung als früher. Mein Ziel ist nicht mehr, meine Zeit tot zu schlagen mit irgendwelchen Medien, sondern in Beziehungen zu investieren - Beziehungen zu Menschen und zu Gott. 

 

God bless ya,

Alex